Wildunfälle verhindern - was hilft wirklich?

- Präventionsmaßnahmen auf dem Prüfstand -

 

Alle 2,5 Minuten prallt in Deutschland ein Auto mit einem großen Wildtier zusammen.

Bis zu 27 Tote, knapp 600 Schwerverletzte und Sachschäden von rund 490 Millionen Euro sind die jährliche Bilanz von Wildunfällen auf Seiten der Verkehrsteilnehmer. Jährlich fallen dem Straßenverkehr über 200 000 Stück Reh-, Rot-, Dam- und Schwarzwild, zuzüglich einer nicht erfassten Anzahl an Niederwildarten wie Fuchs, Hase etc. zum Opfer. Dazu kommt eine hohe Dunkelziffer. Der DJV schätzt die Zahl an Wildtieren, die jährlich im Straßenverkehr getötet werden auf etwa 1 000 000. Bei sehr seltenen Arten, wie beispielsweise dem Fischotter, kann der Verkehrstod zudem einen gravierenden Einfluss auf die Populationsentwicklung haben und daher bestandsgefährdend wirken.

Es besteht deutlicher Handlungsbedarf, sowohl unter Arten- und Tierschutzaspekten wie auch in Bezug auf eine effektive Reduktion des Risikos für den Menschen.

Das Angebot an Schutzsytemen ist groß. Jährlich erscheinen Neuentwicklungen, die laufend Gegenstand von Testversuchen und Studien sind. Fundierte Untersuchungen über die Wirkung von Wildunfallpräventionsmaßnahmen fehlen in Deutschland bisher jedoch. Zu kurze Laufzeit, unzureichende Untersuchungstiefe und andere methodische Probleme schränken die Aussagekraft bisheriger Arbeiten erheblich ein. Eine Ursache für dieses Defizit liegt in der Komplexität des Wildunfallgeschehens, das durch viele Faktoren, die je nach Ort und seinen Gegebenheiten, Fahrverhalten und Wildtierart variieren, bestimmt wird. Daraus resultiert eine große Zahl relevanter Fragestellungen.

Das vorliegende Projekt will sich diesen Fragestellungen durch eine deutlich erhöhte Anzahl von Testrecken und einen längeren Zeithorizont (4 Jahre) nähern.

Auf Anregung des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein (LJV-SH) und der Flughafen Hamburg GmbH, soll in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr (LBV-SH), dem ADAC, dem Deutschen Jagdschutzverband (DJV), der Anstalt Schleswig-Holsteinische Landesforsten (SHLF) und dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MLUR) eine Studie zur Analyse des Wildunfallgeschehens und zu Methoden der Prävention in Schleswig-Holstein durchgeführt werden.

Die Projektpartner bei der Auftaktveranstaltung (von links nach rechts):
Marcus Meißner / Institut für Wildbiologie Göttingen und Drseden e.V.
FD Bernd Friedrichsdorf / Schleswig-Holsteinische Landesforsten AöR
Axel Schmidt / Flughafen Hamburg GmbH
Peter Meyer / ADAC
Jochen Borchert / Deutscher Jagdschutzverband e.V.
Ulrike Schmidt / Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Dr. Klaus-Hinnerk Baasch / Landesjagdverband Schleswig-Holstein
MR Johann Böhling / Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche
Räume des Landes Schleswig-Holstein

Foto: Reinwald/DJV